28 Feb

Oberfränkische Verkehrsunfallstatistik 2016

OBERFRANKEN. „Obwohl wir 2016 erneut einen Anstieg der Verkehrsunfälle in Oberfranken registrieren mussten, reduzierte sich die Anzahl der Verkehrstoten innerhalb der vergangenen zehn Jahre erfreulicherweise um über 50 Prozent. Seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1953, sank damit die Anzahl der Verkehrstoten auf den zweitniedrigsten Stand“, konstatiert Oberfrankens Polizeipräsident Reinhard Kunkel zur Veröffentlichung der Verkehrsunfallstatistik 2016. „Mit unseren bewährten Verkehrssicherheitsmaßnahmen wollen wir deshalb auch weiterhin die Sicherheit auf den oberfränkischen Straßen verbessern.“

Im gesamten oberfränkischen Regierungsbezirk kam es im Jahr 2016 zu insgesamt 32.311 Verkehrsunfällen. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung um 3,45 Prozent (2015: 31.233).

Die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Personen liegt mit 41 Toten im Jahr 2016 auf dem zweitniedrigsten Stand seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1953 (2015: 53) und erfuhr im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um über 22,6 Prozent.

Bei den Verkehrsunfällen mit verletzten Personen registrierte die oberfränkische Polizei mit 4.227 Verkehrsunfällen einen leichten Rückgang um rund 1,4 Prozent (2015: 4.286). Insgesamt wurden im Jahr 2016 5.585 Verkehrsteilnehmer verletzt (2015: 5.703). Einen deutlichen Rückgang um über 12,5 Prozent stellte die Oberfränkische Polizei bei den schwerverletzten Unfallbeteiligten fest, die von 1.083 im Jahr 2015 auf 947 Schwerverletzte im Jahr 2016 sanken.

Definition: Als leicht verletzt gilt eine Person, wenn sie bei einem Verkehrsunfall einen Körperschaden erlitten hat, ohne dass eine Aufnahme in ein Krankenhaus erforderlich wird. Wird der oder die Verletzte mindestens 24 Stunden in ein Krankenhaus aufgenommen, so gilt sie als schwer verletzt.

Die schwerwiegenden Verkehrsunfälle mit Sachschaden stiegen knapp 8,9 Prozent von 8.779 Unfällen im Jahr 2015 auf 9.558 Unfälle im Jahr 2016 an. Gleiches gilt für die Verkehrsunfälle mit Blechschäden, die eine Steigerung um etwa zwei Prozent auf 18.526 Verkehrsunfälle erfuhren (2015: 18.168).

Definition: Ein schwerwiegender Unfall mit Sachschaden liegt vor, wenn nach den Feststellungen der Polizei eine der folgenden Ursachen zutrifft, entweder eine Verkehrsordnungswidrigkeit, bei der gem. Bußgeldkatalog-Verordnung eine Geldbuße festzusetzen ist (z.B. Vorfahrtsverletzung, Überholen im Überholverbot, etc.) oder eine Straftat im Zusammenhang mit der Teilnahme am Straßenverkehr (z. B. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Trunkenheit im Straßenverkehr, etc.).

Ein starker Anteil dieser sogenannten Kleinunfälle ereignete sich im Zusammenhang mit Wildwechsel. Erstmals seit 2010 war bei den Wildunfällen ein leichter Rückgang um rund zwei Prozent auf 6.753 Unfälle feststellbar (2015: 6.911).
(Einzelheiten hierzu finden Sie unter der Zwischenüberschrift „Weniger Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung“).

Überhöhte Geschwindigkeit bleibt Hauptunfallursache

Geschwindigkeit

Eine überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit war im Jahr 2016 bei 2.076 Verkehrsunfällen (2015: 1.911) unfallursächlich. In Folge dieser Unfälle starben im Jahr 2016 14 Verkehrsteilnehmer (2015: 18). Diese Art von Unfallursache ist, wie auch der bayernweite Vergleich zeigt, bei schweren Verkehrsunfällen mit Toten und Schwerverletzten die Hauptunfallursache Nummer 1.

Bei Verkehrsunfällen mit überhöhter Geschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften verloren in Oberfranken 2016 13 Menschen ihr Leben und 745 Personen erlitten Verletzungen. Innerorts wurden bei derartigen Verkehrsunfällen eine Person getötet und 228 Menschen verletzt.

Eine Reduzierung der Geschwindigkeitsunfälle will die Oberfränkische Polizei mit einer erneuten Beteiligung am bayernweiten „24-Stunden-Blitzmarathon“ sowie mit einer anschließenden „Schwerpunktaktion Geschwindigkeit“ erreichen. Ziel beider Verkehrssicherheitsaktionen ist es, bei der Bevölkerung das Bewusstsein für die Gefahren überhöhter und nicht angepasster Geschwindigkeit auf den Straßen zu wecken. In den zurückliegenden Jahren stellten die Oberfränkischen Polizisten bei diesen Aktionen fest, dass ein Großteil der Verkehrsteilnehmer eine verantwortungsbewusstere Fahrweise während der im Vorfeld medial angekündigten Geschwindigkeitsmessungen an den Tag legte. Dennoch mussten gut drei Prozent der Auto- und Lastwagenfahrer, die deutlich zu schnell waren, mit hohen Bußgeldern und Fahrverboten rechnen. Den traurigen Spitzenwert im Jahr 2016 erreichte Ende Mai ein Motorradfahrer der bei Schneckenlohe im Landkreis Kronach mit 219 Stundenkilometern bei erlaubten 100 gemessen wurde. Der Biker musste ein Bußgeld in Höhe von 1.200 Euro zahlen und erhielt neben zwei Punkten in Flensburg auch ein dreimonatiges Fahrverbot.

Weitere Hauptunfallursachen sind neben einer falschen Straßenbenutzung und dem Nichtbeachten des Rechtsfahrgebotes, die Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren sowie beim Ein- und Anfahren.

Weniger Alkoholunfälle

Nach einem kontinuierlichen Rückgang der Verkehrsunfälle mit Alkoholeinfluss, musste im Jahr 2016 ein Anstieg auf 410 Verkehrsunfälle festgestellt werden (2015: 395). Alkoholkonsum war bei 5 Getöteten (2015: 5) unfallursächlich. In Verbindung mit Alkoholunfällen wurden 214 Personen verletzt (2015: 220). Mehr als die Hälfte der betrunkenen Fahrzeugführer (231 von 409) hatte mehr als 1,5 Promille Alkohol im Blut (2015: 228 von 395).

Den traurigen Spitzenwert erreichte im Februar 2016 eine 42-jährige Autofahrerin in Gößweinstein (Lkr. Forchheim), als sie mit ihrem Wagen eine Kurve schnitt und in den Gegenverkehr fuhr. Die Untersuchung des Blutes ergab einen Wert von 3,23 Promille Alkohol.

Den gleich hohen Promillewert erreichte ein 31-jähriger Autofahrer im Januar 2016 bei einem Verkehrsunfall in Steinwiesen (Lkr. Kronach). Ein aufmerksamer Bürger hatte beobachtet, wie er beim Ausrangieren ein anderes Auto anfuhr und sich ohne um den Schaden zu kümmern von der Unfallstelle entfernte. Aufgrund des Hinweises konnte der Verursacher zu Hause angetroffen und einer Blutentnahme zugeführt werden.

Unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln verursachten im Jahr 2016 oberfrankenweit 30 Fahrzeugführer Verkehrsunfälle (2015: 31). Dabei erlitten 14 Personen Verletzungen.

Kinder im Straßenverkehr

Bei 251 Verkehrsunfällen im Jahr 2016 waren Kinder beteiligt (2015: 261), wobei 275 Kinder (2015: 283) Verletzungen erlitten. Im Juni 2016 starb ein eineinhalb Jahre alter Junge bei einem tragischen Verkehrsunfall in Kronach, als er von einem Auto im Hofraum des Elternhauses überrollt wurde.

Bei den Schulwegunfällen registrierte die oberfränkische Polizei im Jahr 2016 mit 50 Verkehrsunfällen einen leichten Anstieg (2015: 47). Dabei erlitten 59 Schüler Verletzungen (2015: 61). Kein Schulwegunfall in Oberfranken endete tödlich.

Junge Erwachsene (18- bis 24-Jährige)

Die Altersgruppe der jungen Fahranfänger war im Jahr 2016 an insgesamt 3.209 Verkehrsunfällen beteiligt (2015: 3.191). Dies bedeutet eine Steigerung um über 0,5 Prozent. Bei den von dieser Altersgruppe als Hauptverursacher schuldhaft verursachten Unfällen ist ein Rückgang von 1.868 auf 1.844 (minus 1,3 Prozent) festzustellen. Insgesamt starben 3 Personen aus der Gruppe der „Jungen Erwachsenen“ (2015: 13) und 951 wurden verletzt (2015: 1.014).

Senioren (ab 65 Jahre)

Analog zur demografischen Entwicklung der Altersstruktur registrierte die Oberfränkische Polizei eine Steigerung um knapp 6 Prozent bei den Verkehrsunfällen, an denen Senioren beteiligt waren. Von 2.732 Verkehrsunfällen mit Senioren im Jahr 2016 (2015: 2.578) verursachten diese Verkehrsteilnehmer 1.806 der Unfälle selbst. 581 Senioren wurden im vergangenen Jahr bei Unfällen auf oberfränkischen Straßen verletzt (2015: 545) und zehn Senioren kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben (2015: 14).

Fußgänger im Straßenverkehr

Für sechs Fußgänger in Oberfranken endete im Jahr 2016 ein Verkehrsunfall tödlich (2015: 10) und 309 Passanten erlitten bei Verkehrsunfällen Verletzungen (2015: 347). Insgesamt waren im vergangenen Jahr oberfrankenweit 388 Fußgänger an Verkehrsunfällen beteiligt (2015: 457).

Gefährliche Verkehrssituationen oder gar Unfälle ergeben sich nicht selten durch dunkel gekleidete Fußgänger oder Fahrradfahrer, die von herannahenden Autofahrern kaum oder überhaupt nicht erkannt werden. Das Unfallrisiko ist in der Dämmerungsphase besonders hoch. Ein unauffällig gekleideter Passant oder Radler ohne Licht ist für den Autofahrer bei Dunkelheit bereits ab einer Entfernung von 25 Metern kaum mehr zu erkennen. Helle, auffällige Kleidung mit reflektierenden Materialien und funktionsfähige Beleuchtungseinrichtungen sind Garanten für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr. Auffällige Kleidung, Reflektoren und Beleuchtungseinrichtungen werden von den Autofahrern sogar noch in einer Entfernung von 150 Metern wahrgenommen.

Risikogruppe Motorradfahrer

Im Vergleich zum Vorjahr schloss die letztjährige Biker-Saison mit einem Anstieg der getöteten und verletzten Motorradfahrer, als auch der Motorradunfälle ab.

Im Jahr 2016 starben zwölf Motorradfahrer (2015: 8) und zwei Mofa-, bzw. Mopedfahrer in Oberfranken an ihren Unfallverletzungen. 506 motorisierte Zweiradfahrer erlitten auf oberfränkischen Straßen Verletzungen (2015: 494), was einen Anstieg von rund 2,4 Prozent entspricht. Insgesamt ereigneten sich im Jahr 2016 549 Motorradunfälle (2015: 536). Im Vergleich zum Vorjahr stiegen oberfrankenweit die Verkehrsunfälle mit Motorrädern um 2,43 Prozent.

Weit mehr als die Hälfte (309 von 549) der oberfränkischen Motorradunfälle im vergangenen Jahr wurden von den Bikern selbst verursacht.

Weniger Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung

Nachdem seit 2010 die Verkehrsunfälle mit Wildbeteiligung stets zunahmen, ist im Jahr 2016 erstmals ein leichter Rückgang bei den Wildunfällen um knapp 2,3 Prozent auf 6.753 (2015: 6.911) festzustellen.

Bei den Verkehrsunfällen mit Wildbeteiligung kam zwar kein Mensch ums Leben, aber dennoch erlitten 45 Personen (2015: 65) bei 43 Wildunfällen (2015: 59) Verletzungen. Bei statistischen Auswertungen kristallisierten sich insbesondere Zusammenstöße mit Rehwild heraus.

„BAYERN MOBIL – SICHER ANS ZIEL“

Als wohl markantester Baustein des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 „BAYERN MOBIL – SICHER ANS ZIEL“ hat sich auch in diesem Jahr die 17. Motorradsternfahrt in Kulmbach am 29. und 30. April 2017 als Sicherheitsaktion im Verkehrsbereich etabliert.

Mit zahlreichen Programmpunkten werden sich die Veranstalter intensiv dem Thema Verkehrssicherheit widmen. Zusätzlich sollen Fahrsicherheitstrainings im Vorfeld das Fahrverhalten der Biker zu Saisonbeginn positiv beeinflussen. Weitere Informationen und Termine zur Motorradsternfahrt in Kulmbach finden Sie unter www.motorradsternfahrt.de.

Neben der Prävention will die Oberfränkische Polizei aber auch mit einer konsequenten Ahndung von Verkehrsverstößen zur weiteren Reduzierung der Unfallzahlen beitragen. Deshalb wird auch in diesem Jahr der Schwerpunkt auf einer Reduzierung der Geschwindigkeitsunfälle durch verstärkte Kontrollen liegen, um weiterhin die Anzahl der Verkehrsunfalltoten und Schwerverletzten stetig zu reduzieren.

Mit der wöchentlichen Ankündigung von Messstellen sowohl auf der Internetseite der Oberfränkischen Polizei als auch in den Sozialen Medien, soll in Anlehnung an den Blitzmarathon zusätzlich eine Prävention durch Öffentlichkeitsarbeit erreicht werden. Die Verkehrsteilnehmer sollen auch auf diesem Weg für die Gefahren hoher Geschwindigkeiten im Straßenverkehr sensibilisiert werden.

Als Grundlage für die Kontrollörtlichkeiten dienen den Beamten die Auswertungen der Unfallkommissionen und die polizeiliche Verkehrsunfallstatistik. Neben der gezielten Überwachung von Unfallbrennpunkten und Unfallgefahrenpunkten wird die Oberfränkische Polizei auch flächendeckende Geschwindigkeitskontrollen durchführen.

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